Rede auf der Vorabenddemo zur Bundestagswahl 2025

Liebe Freund*innen,

wenn wir heute hier gemeinsam stehen, blicken wir in eine ungewisse Zukunft. Eine Zukunft, deren Bild verhangen ist von dichten Wolken, hinter denen unsere Blicke nur erahnen können, was uns erwartet. Eine Zukunft, die in uns ein Gefühl des Unbehagens auslöst, die uns zweifeln lässt, wohin unser Weg leitet.

Denken wir diese Zukunft als Fortsetzung unserer Gegenwart, führt sie uns geradewegs in das Auge eines tödlichen Sturms. Wir haben schon viel zu oft die Elemente von dem aufgezählt, was manchmal eine Vielfachkrise genannt wird. Ein Wort, das die Tragweite dieser Situation kaum zu benennen in der Lage ist. Der Zusammenbruch des globalen Ökosystems in Folge der Klimakatastrophe. Kriege um Einflussphären auf einer sich verengenden Welt. Zonen des Todes in der Sahel-Wüste, im Mittelmeer, im Gaza-Streifen.

Was wir erleben, ist eine Normalisierung der Katastrophe. Das an den Grenzen Europas ein Massenmord stattfindet interessiert die einen nicht, die anderen finden es unterstützenswert. Wie Reality TV bekommen wir das abertausendfache Sterben in der Tagesschau oder auf Tik Tok präsentiert, seine Realität ist zum Alltag geworden.

Das politische Projekt der Katastrophe ist der Faschismus. Der Faschismus ist der Ruf die Katastrophe mit aller Gewalt um jeden Preis fortzusetzen. Der Faschismus ist die Freude über diese Gewalt. Der Faschimus dichtet Schlagersongs um zu Hymnen aufs rassistische Massakrieren. Der Faschismus ist der letzte Zufluchtsort der Herrschenden und der Beherrschten zugleich. In ihm können die einen die anderen noch offener ausbeuten und die Beherrschten können das sogar noch gut finden, weil sie das für den Preis ihrer nationalen Identität halten. Der Faschismus ist ein Angriff auf das Leben. Ganz direkt für die, die er voller Rassismus in seine Todeszonen schicken will, ein wenig sanfter für die, die er zu einem Leben voller Arbeit, dafür aber ohne Freude oder gar Freiheit zwingt.

Der Faschismus, für den unsere Feinde der AfD stehen, ist ehrlich. Er steht zu seiner Unvernunft, er steht zum Morden, steht zur Klassenherrschaft, steht zum Patriarchat. In unserer katastrophischen Normalität wird er damit zur Avantgarde für alle anderen bürgerlichen Kräfte, denen es wie immer darum geht, das in den Fugen zu halten, was schon längst aus den Fugen ist. Deshalb trotten sie ihm folgsam hinterher, weil sie selber wissen, das alles am Arsch ist, was sie an die Wand gefahren haben. Die einen, wie unser Feind Friedrich Merz, sind dabei enthusiastischer, und bereiten ganz offen das Projekt einer rechten Mehrheit vor. Die anderen versinken mit leeren Augen und vorgetäuschter Zuversicht in den Trümmern ihrer Hoffnung auf einen grünen Kapitalismus, und versuchen sich dennoch mit letzter Kraft auf den vermeintlich rettenden Kahn des Faschismus zu hieven.

Aber reden wir über uns. Reden wir darüber am Leben zu bleiben. Reden wir darüber, was es bedeutet, uns zu verteidigen.

Auf der einen Seite gibt es eine offensichtliche Ebene. Uns zu verteidigen bedeutet, dass wir den Faschismus da nicht vordringen lassen, wo er sich Raum nehmen will. Das machen wir auf der Rheinau, wenn wir keine Veranstaltung der AfD ohne Gegenstimme über die Bühne gehen lassen. Das haben wir in Riesa gemacht, wo wir uns zu Tausendem dem Bundesparteitag der AfD ungehorsam und entschieden widersetzt haben. Das haben unsere Genoss*innen in Budapest gemacht, die den Faschisten schlagkräftig entgegengetreten sind und die der Staat deswegen nun hinter Gitter sperrt. Ihnen rufen wir zu: Freiheit für Maja, Gino, Nanuk, Tobi, Johann, Paula, Nele, Luca, Paul, Moritz, Zaid und Clara! Freiheit für alle Antifas!

Uns zu verteidigen bedeutet aber auch, auf mentaler Ebene den Angriffen des Faschismus zu widerstehen. Ihn nicht zu akzeptieren, sich ihm nicht zu fügen. Das Gefühl der Trauer und Wut gegen alles Falsche zuzulassen, und dennoch die Hoffnung zu sehen, die wir einander geben können. Denn solange wir zusammen stehen, haben wir einander. Wir können uns nur auf uns selbst verlassen, dass es anders wird kann nur Ergebnis der Kämpfe sein, die wir selbst führen. Im Zweifel werden kein Staat und keine Partei uns etwas schenken. Das anzuerkennen gibt uns Klarheit und Kraft. Nutzen wir diese Kraft, um uns zusammenzuschließen. Stehen wir für eine Welt, eine Gesellschaft, die mehr ist als Abschottung und Tod, zeigen wir, das es einen anderen Weg gibt.

Uns zu verteidigen bedeutet, in der Normalität der Katastrophe Mensch zu bleiben.
"Berxwedan Jîyane!", sagt die kurdische Freiheitsbewegung, "Widerstand heißt leben".

Bleiben wir widerständig. Bleiben wir lebendig.

Alle zusammen gegen den Faschismus!