Fahrraddemo: No Justice No Choice – Cycling for feminism

Fahrraddemo
Sa. 15. Mai. 2021

Berlin

14:00 Uhr
Südstern

Fahrraddemo am 15. Mai 2021, 14 Uhr Südstern

150 Jahre Abtreibungsverbot und keinen Tag länger! Es reicht!

Vor 150 Jahren wurde das Abtreibungsverbot durch die Ausrufung des Reichsstrafgesetzbuch erstmals in ganz Deutschland eingeführt. Schwangerschaftsabbrüche standen auch schon im preußischen Recht unter Strafe, doch die im Strafgesetzbuch festgehaltenen §§ 218 und 219 bleiben trotz unzähligem Widerstand bis heute bestehen. Die Nazis führten 1933 dann noch das sog. Werbeverbot nach § 219a ein, das die Werbung für Abtreibungsmittel bestraft und zuletzt im Prozess gegen die Ärztin Kristina Hänel Aufsehen erregte – die lediglich auf ihrer Homepage angegeben hatte, Abtreibungen durchzuführen. Bestandteil der heutigen Gesetzgebung ist immer noch eine Fristenregelung und eine vorgeschriebene Beratung und Bedenkzeit von drei Tagen.

Es ist an der Zeit, diese jahrhundertealte patriarchale Gesetzgebung, die tagtäglich darauf ausgerichtet ist, unsere körperliche und sexuelle Selbstbestimmung einzuschränken und zu verleugnen, in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken!

Wir sagen deshalb: Es reicht! Am 15. Mai besteht das Abtreibungsverbot seit unrühmlichen 150 Jahren im Strafgesetzbuch. Deswegen gehen wir am 15. Mai auf die Straße für einen flächendeckenden Zugang zu Beratung, Praxen und Medikamenten für Schwangerschaftsabbrüche. Auf Rädern wollen wir gemeinsam verschiedene Orte abfahren und lautstark protestieren. Die §§ 218,219, 219a gehören abgeschafft – für legale, kostenlose und sichere Abtreibung!
Mehr als eine Abschaffung der Paragraphen - Reproduktive Gerechtigkeit für alle!

No justice, no choice !

Der Kampf um die Abschaffung der Paragraphen 218 und 219 ist nicht genug. Am 15. Mai fragen wir auch: Wer darf überhaupt Kinder bekommen? Wem wird die Wahl dazu erschwert oder verunmöglicht? Wer zählt als Familie? Wer kann wie adoptieren?

Das hetereonormative Konstrukt einer Mutter-Vater-Kind-Kernfamilie wird staatlicherseits immer noch privilegiert. Ob queer, trans* oder inter, Co-Mutter, alleine, Zwei Väter oder Zwei Mütter, geteilte oder Mehr-Elternschaft – Das Leben mit oder ohne Kind ist und kann vieles sein. Jeglichen Politiken, die dem immer noch entgegenstehen, sagen wir deshalb: Es reicht! Geschlechterrollen von gestern, rigide Sexualmoral, Homo-und transfeindliche Vorstellungen und Hetze gegen Frauen* und LGBTQI* haben in unserer Gegenwart nichts verloren.

Wir fordern Reproduktive Gerechtigkeit für alle! Das heißt, dass wir Fragen rund ums Kinderkriegen und Familiengründen nicht als rein individuelle Entscheidungen betrachten, sondern immer auch die politischen und sozialen Rahmenbedingungen mitdenken müssen. Es wird sich nicht im luftleeren Raum für oder gegen Mutter-/Elternschaft und Verantwortungsübernahme für Kinder entschieden - Faktoren wie Wohnungslosigkeit oder Abhängigkeit von geringen Sozialleistungen sorgen dafür, dass sich trotz Kinderwunsch gegen das Kinderbekommen entschieden wird.

Wir fordern deshalb:

  • Das Recht, sich gegen das Kinderbekommen entscheiden zu können, durch sichere kostenlose Verhütungsmittel und legale, flächendeckende und kostenfreie Abtreibungsmöglichkeiten für alle. Schwangerschaftsabbrüche sollten als medizinische Leistung von den Krankenkassen anerkannt und bezahlt werden - und zwar auch für Menschen ohne reguläre Krankenversicherung!
  • Das Recht, schwanger zu werden und in sicheren und selbst gewählten Umständen zu gebären. Gesundheitliche Vorsorge und Aufklärung müssen frei zugänglich sein und von Schwangeren selbstbestimmt gewählt werden können!
  • Das Recht, Kinder nach eigenen Maßstäben in sicherem und gesundem Umfeld großziehen zu können, frei von Armut, Diskriminierung, Angst und Gewalt.

Bringt eure Fahrräder, Inliner oder alles, was Rollen hat, mit! Wir starten um 14 Uhr am Südstern und fahren von dort aus über mehrere Stationen Richtung Wedding. Ab 17 Uhr treffen wir alle, die sich nach der Fahrraddemo noch unserem Protest anschließen wollen, am Platz für Widerstand (Nettelbeckplatz) zur Abschlusskundgebung . All Gender Welcome. Wichtig : zu Fuß könnt ihr nicht teilnehmen!! Für alle, die etwas langsamer unterwegs sind, ist es empfohlen, vorne im Zug zu starten.

Um unseren Forderungen auch bei der Fahrraddemo Ausdruck zu verleihen, schmückt & verziert eure Fahrräder, sodass wir gemeinsam den Kampf für Reproduktive Gerechtigkeit ins Rollen bringen können!

+ + + + + + + + + + + + + + + +

15 May 2021 Call for a cycling protest! / : § 218 / 219a - Reproductive Justice.
150 years and not a day longer! Enough is enough!
150 years ago, the ban on abortion was first introduced throughout Germany by the proclamation of the Imperial Penal Code. Abortions were already punishable under Prussian law, but Sections 218 and 219 of the Criminal Code remain in place today despite countless opposition. In 1933, the Nazis then introduced the so-called advertising ban according to §219a, which punishes the advertising of abortions and most recently caused a sensation in the trial against the doctor Kristina Hänel - who had merely stated on her homepage that she performed abortions. Part of today's legislation is still a time limit regulation and a compulsory counselling and reflection period of three days.

It is time to send this centuries-old patriarchal legislation, which is aimed at restricting and denying our bodily and sexual self-determination on a daily basis, into well-deserved retirement!

We therefore say: enough is enough! On 15 May, the ban on abortion has been in the penal code for an inglorious 150 years. That is why we are taking to the streets on 15 May for universal access to counselling, surgeries and medication for abortions. We will ride on bicycles to different places and protest loudly. Sections 218 and 219ff must be abolished - for legal, free and safe abortion!
More than (an) abolition of the paragraphs - reproductive justice for all! No justice, no choice!

The struggle to abolish sections 218 and 219 is not enough. On 15 May we also ask: Who is allowed to have children at all? For whom is the choice to have children made difficult or impossible? Who counts as a family? Who can adopt and how?
The hetereonormative construct of a mother-father-child nuclear family is still privileged by the state. Whether queer, trans* or inter, co-mother, alone, two fathers or two mothers, shared or multiple parenthood - life with or without a child is and can be many things. To any policies that still stand in the way of this, we therefore say: Enough! Yesterday's gender roles, rigid sexual morals, homophobic and transphobic ideas and agitation against women* and LGBTQI* have no place in our present.
We demand reproductive justice for all! This means that we do not consider questions about having children and starting a family as purely individual decisions, but always have to think about the political and social framework conditions. People do not decide for or against motherhood/parenthood and taking on responsibility for children in a vacuum - factors such as homelessness or dependence on low social benefits ensure that people decide against having children despite wanting to do so.

We therefore demand:
- The right to choose not to have children through safe free contraception and legal, universal and free abortion facilities for all. Abortions should be recognised and paid for as a medical service by health insurers - even for people without regular health insurance!
- The right to become pregnant and to give birth in safe and self-chosen circumstances. Preventive health care and education must be freely accessible and self-determined by pregnant persons!
- The right to raise children according to their own standards in a safe and healthy environment, free from poverty, discrimination, fear and violence.
Bring your bikes, inline skates or anything with wheels! We will start at 2pm at Südstern and ride from there via several stations towards Wedding. From 5pm on, we will meet everyone who wants to join our protest after the bike demo at the Platz für Widerstand (Nettelbeckplatz) for the final rally.
Important: you cannot participate on foot! For those who are travelling a bit slower, it is recommended to start at the front of the train.
To express our demands also at the bicycle protest, decorate your bikes so that together we can get the fight for reproductive justice rolling!